Abschied vom Unternehmensbewohner – Sieben Tipps für Controller-Karrieren in Zeiten digitaler Transformation

Thomas Landwehr

Die digitale Transformation erschüttert Unternehmen in ihren Grundfesten – und auch Aufgaben und Rolle des Controllers bleiben davon nicht unberührt. Studien zur Digitalisierung zufolge wird der Anteil von Controller-Tätigkeiten, die im automatisierbaren Bereich liegen, auf 63 Prozent prognostiziert. Macht die Digitalisierung Controller damit künftig gar überflüssig? So weit wird wohl niemand gehen, aber eines ist jedenfalls heute schon klar: Die Digitalisierung wird auch das Controlling radikal verändern. Experten sind sich einig – es geht um mehr als um die Standardisierung und Automatisierung transaktionsnaher Controlling-Prozesse oder den Einsatz neuer Software. Einen spannenden Beitrag haben dazu auch Prof. Dr. Utz Schäffer und Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Weber veröffentlicht.

Wohin die Reise tatsächlich geht, ist heute noch nicht absehbar. Klar ist jedoch, dass sich jeder Controller mit diesem Wandel auseinandersetzen muss – ansonsten wird seine – beziehungsweise ihre – Karriere buchstäblich auf der Strecke bleiben. Vor allem die Controller, die in der „Old Economy“ groß geworden sind, tun sich mit der Entwicklung jedoch schwer, so meine Beobachtung.

Sieben Karriere-Tipps für Controller in Zeiten digitalen Wandels
Karrieren scheitern heute häufig, weil Beschäftigte immer noch in der bisherigen Komfortzone erlernter Verhaltensmuster verharren – sei es nun aus Angst oder einfach aus Bequemlichkeit. Langfristig erfolgreich werden künftig nur die Controller sein, die sich vom Dasein als Unternehmensbewohner verabschieden und ihre berufliche Laufbahn proaktiv und eigenverantwortlich planen – also zum Unternehmer in eigener Sache werden.

1. Denken Sie unternehmerisch in eigener Sache – Employabitity statt Employment
Betrachten Sie sich als Unternehmer in eigener Sache. Und gehen Sie das „Unternehmen-Ich“ genauso strategisch an wie Ihre beruflichen Aufgaben. Doch wie entwickelt man eine Strategie für die eigene Karriere? Allein die Konzentration auf die nächste Stelle und die Optimierung der Bewerbung sind jedenfalls noch längst keine Strategie. Am Anfang steht die Analyse: Welche Kompetenzen, welches Wissen und welche Eigenschaften besitze ich? Welche muss ich (weiter-) entwickeln, um für potenzielle Arbeitgeber wertvoll zu sein? Was genau ist eigentlich mein Nutzenangebot an das Unternehmen? Warum sollte man mir auch noch in drei oder fünf Jahren einen Job anbieten? Welchen Marktwert besitze ich heute und welchen morgen? Wenn Sie Ihr spezielles Nutzenangebot auf dem Arbeitsmarkt kennen, sollten Sie dies verständlich aufbereiten und sich zielgruppenorientiert vermarkten, sprich Ihre „Marke Ich“ aufbauen und pflegen.

2. Stellen Sie sich ein auf häufige Wechsel von Projekten, Rollen, Aufgaben und Unternehmen ein
Die Mischung zwischen Dynamik und Komplexität der heutigen Arbeitswelt, die auch gerne mit dem Kunstbegriff „Dynaxität“ beschrieben wird, führt dazu, dass Sie sich darauf einstellen müssen, in Ihrer Laufbahn zahlreiche Rollen, Projekte bei unterschiedlichen Unternehmen und Branchen auszuüben. Jobsicherheit heute heißt vor allem die Fähigkeit, sich den Job von morgen selbst zu sichern. So wie Profisportler sich schon während ihrer laufenden Karriere auf ihre zweite Karriere vorbereiten, so sollten auch Sie einen Plan B bereithalten. Das kann ein anderer Job außerhalb des jetzigen Unternehmens sein, in der bestehenden Branche oder in einer anderen. Vielleicht kommt der Sprung in die Selbstständigkeit in Frage? Sie sollten zum Akteur auf dem Arbeitsmarkt, zum Entrepreneur in eigener Sache werden. Die Kompetenz, Unsicherheit aushalten und mit ihr umgehen zu können, wird zu einer zentralen Fähigkeit, denn die Festanstellung ist möglicherweise ein Auslaufmodell.

3. Entwickeln Sie Ihre digitale Kompetenz
Um die Aneignung digitaler Kompetenzen kommen gerade Controller nicht herum. Neben den bestehenden System- und Methodenkenntnissen gewinnen Kenntnisse in Statistik und Informationstechnologie an Bedeutung. Sie müssen Technologie verstehen und sollten sich nicht allein auf die IT-Abteilung verlassen. Werden Sie zum Teilzeit-Informatiker! Probieren Sie Dinge aus, wählen Sie Apps und Tools und Plattformen aus, die Sie dabei unterstützen effizienter zu arbeiten. Dazu brauchen Sie Übersicht und Kenntnis der neuen Entwicklungen. Angebote zur Weiterbildung gibt es reichlich – sei es der Besuch von Messen oder Konferenzen, der persönliche Austausch in den relevanten Netzwerken oder die regelmäßige Lektüre von Branchen- und Fachmedien. Vor allem das Internet bietet eine Vielzahl – auch kostenloser – Webinare. Sie finden dort auch Angebote renommierter Universitäten. Als ein Beispiel sei nur das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam genannt. Lassen Sie sich jedoch nicht vom Informations-Overload entmutigen, es reicht häufig, einen Überblick über Entwicklungen und Möglichkeiten zu behalten.

4. Arbeiten Sie an Ihrer Kommunikationskompetenz
Neben dem erlernten Fachwissen sind auch die sogenannten „Soft Skills“ von großer Bedeutung. Ein Controller, der zwar perfekt Daten auswerten kann, seine Ergebnisse jedoch nicht kommunizieren kann, ist auf Dauer nicht erfolgreich einsetzbar.

5. Pflegen Sie Ihre On- und Offline-Netzwerke
Die beste „Marke ich“ und die gut gepflegten Kompetenzen allein reichen nicht aus, sie müssen auch vermarktet werden. Soziale Netzwerke haben mittlerweile einen erheblichen Stellenwert. So besetzen große Konzerne bereits heute bis zu 30 Prozent ihrer offenen Stellen mit Mitarbeitern, die die Personalabteilung im Internet gefunden hat. Nicht zuletzt deshalb ist die Präsenz in Netzwerken wie Xing, LinkedIn oder Google+ wichtig. Um die Karriere zu beflügeln, können und sollten Sie die Netzwerke zudem als Plattform nutzen, um sich beispielsweise über Fachartikel zu positionieren. Auch die persönlichen „Offline-Netzwerke“ spielen nach wie vor eine entscheidende Rolle, pflegen Sie diese ebenfalls gut.

6. Seien Sie sensibel für ein neues Rollenverständnis
Der Controller war zunächst als Herr der Zahlen, dann als Lotse, seit einigen Jahren als Businesspartner gefragt. Jetzt wandelt sich die Rolle zum Change-Agent, Chief Digital Performance Officer, Data-Scientist, Digital-Strategist oder Moderator der 4.0-Strategie? Welche Rolle, welche Bezeichnung auch immer gerade Up-to-Date ist: Wichtig ist, dass Sie offen und sensibel für die anstehenden Veränderungen bleiben – und Ihr eigenes Rollenverständnis immer wieder überprüfen.

7. Lernen Sie von Odysseus
Sie können als Entrepreneur in eigener Sache eine Menge von Odysseus lernen. Der griechische Gott war ein Abenteurer, doch weder konnte er seine Abenteuer planen noch hat er dies versucht. Odysseus hat sich ihnen gestellt – und sie dann mit Flexibilität, Kreativität und Mut bewältigt. Die Umwelt, in der wir arbeiten, können wir nicht verändern. Deshalb müssen Sie mentale Stärke entwickeln, lernen, mit Unsicherheiten umzugehen und flexibel und vorausschauend Ihre Lebens- und Karriereentwürfe neu ausrichten. Dazu gehört auch, Zeit und Energie in das „Unternehmen Ich“ zu investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Übereinstimmend beschreiben viele Experten, dass

  • Controller aktiv den Prozess der Digitalisierung begleiten müssen
  • ihnen neue Kompetenzen abverlangt werden (Big Data will „controlled“ werden)
  • eine aktive Weiterentwicklung der Controller-Kompetenzen entscheidend für den Erfolg sein wird.

Aus Sicht des Karriereberaters kann ich dies nur unterstreichen. Langfristig erfolgreich werden künftig nur diejenigen sein, die sich vom Dasein als Unternehmensbewohner verabschieden und ihre berufliche Laufbahn proaktiv und eigenverantwortlich planen – also zum Unternehmer in eigener Sache werden.

Zum Autor
Thomas Landwehr berät seit 14 Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Vor dem Wechsel in die Beratung lernte er als Geschäftsführer und Kaufmännischer Leiter in mittelständischen, inhabergeführten Unternehmen mit bis zu 3.000 Mitarbeitern, was es bedeutet, zu führen und Organisationen zu verändern. www.daskarrieresystem.de

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