Mergers & Acquisitions: Wie Fusionen erfolgreich gestaltet werden (Teil 1)

Anteils- oder Firmenübernahmen haben einen wesentlichen Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Nicht selten scheitern Unternehmen jedoch an Akquisitionen und gefährden damit das gesamte Unternehmen. In seinem Gastbeitrag beschreibt Thomas Kämpf, Leiter M&A / Konzerncontrolling bei der Masterflex SE, worauf es beim M&A-Prozess ankommt und wie Stolperfallen vermieden werden können.

Unternehmerisches Wachstum, Erschließung neuer Märkte, Erweiterung des Produktportfolios – all dies sind mögliche Gründe für Anteils- oder Firmenübernahmen. Viele Mergers & Acquisitions (M&A) scheitern jedoch. Häufig erfüllen abgeschlossene M&A-Deals weder ihr strategisches Versprechen, noch vergrößern sie den Unternehmenswert. Meist scheitern die Zusammenschlüsse oder Übernahmen an der schlechten Vorbereitung: Je nach M&A-Statistik liegt die Rate für erfolglose M&A-Deals zwischen 50 bis 90 Prozent. Ein guter Grund, sich intensiv mit dem Thema Unternehmensübernahme zu befassen, denn eine gescheiterte Akquisition kann ein Unternehmen langfristig schwächen.

Den Ablauf einer Unternehmensübernahme kann man grundsätzlich in drei Phasen unterteilen:

  • Die M&A-Strategie: Erarbeitung der Akquisitionsstrategie
  • Der M&A-Prozess: Vorbereitung und Durchführung der M&A-Transaktion
  • Die Post Merger Integration (auch M&A-Integration): Vorbereitung und Durchführung der Integration

Alle drei Phasen sind meiner Erfahrung nach entscheidend für den Erfolg einer Unternehmensübernahme und Stolperfallen sind nicht, wie häufig argumentiert wird, erst in der Integrationsphase zu erwarten. Die Praxis zeigt, dass sich nur wenige Käufer auf diese drei Phasen professionell vorbereiten und dann auch erfolgreich umsetzen. Viele Akquisitionen von Unternehmen laufen eher nach dem Zufallsprinzip ab. Häufig ist keine M&A-Strategie vorhanden, der M&A-Prozess verläuft unvorbereitet und unkoordiniert. Und für die M&A-Integration gibt es keinen Integrationsplan und vielfach auch nicht genug Ressourcen.

Der Kauf und Zusammenschluss sind für jedes Unternehmen eine Herausforderung und die Aufgaben für das Management sind oft größer als erwartet, weil die Vorgehensweise komplex ist. Voraussetzungen für einen erfolgreichen Zusammenschluss sind deshalb eine klare M&A-Strategie, rechtzeitige Planung und Vorbereitung, ein klares, ausgearbeitetes Konzept sowie eine zügige Integration. Wer versteht, worauf es in einem M&A-Prozess ankommt und wer sich seiner Ziele in solch einem Prozess bewusst ist, kann unerwünschte Entwicklungen frühzeitig erkennen, ihnen entgegenwirken und den M&A-Prozess erfolgreich abschließen.

I. Die M&A-Strategie: Klare Kriterien für die Evaluation
Welches Interesse verbirgt sich hinter einem M&A-Deal und welche Ziele sollen damit erreicht werden? Die Gründe für M&As sind äußerst vielseitig: Erweiterung des Portfolios, Wachstumsfinanzierung, Internationalisierung oder die Suche nach einem Nachfolger im Familienbetrieb, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Entscheidend ist, für Unternehmenskäufe eine Strategie aufzubauen, die an die Unternehmensstrategie angelehnt wird, denn M&A ist kein Allheilmittel für alles. Die Unternehmensstrategie sollte der Richtungsweiser sein und M&A ein Weg die allgemeine Unternehmensstrategie zu unterstützen.

Bei Masterflex heißen die Schwerpunkte Innovation und Internationalisierung. Innovation hieß für uns bei vergangenen Akquisitionen konkret, dass wir uns in bestimmten Produktbereichen verstärken wollten, in denen wir bis dahin noch nicht tätig waren – so dass wir unseren Kunden ein größeres Spektrum an Lösungen anbieten können. Wir haben zudem bestimmte Kriterien, was die Profitabilität von Zielunternehmen angeht und wir haben bestimmte Regionen, auf die wir uns fokussieren. Dabei gibt es Industrien und Technologien, die uns besonders interessieren. Eine Akquisitionsstrategie mit festen Kriterien bietet einem also schon zu Beginn, bevor eine Akquisition näher diskutiert wird, einen Kompass: Welches Unternehmen schaue ich mir genauer an und welches Unternehmen schaue ich mir nicht weiter an. So umgeht man auch die Falle, zwar interessante, aber für die eigene Unternehmensstrategie unpassende Akquisitionen zu tätigen.

Ein wichtiger Bestandteil jeder M&A-Strategie, bevor potenzielle Zielunternehmen angesprochen werden, ist das Sicherstellen der Finanzierungsmöglichkeiten. Wer mithilfe von M&A wachsen möchte, sollte eine Idee davon haben, wie man diese Transaktionen finanzieren will. Gerade für mittelständische Unternehmen ist ein Finanzierungsprozess parallel zum M&A Prozess häufig eine zusätzliche Herausforderung und kann zu Zeitverlusten und Ineffizienzen führen. Bei Masterflex haben wir für Akquisitionen eine Akquisitionslinie in unserem Konsortialkreditvertrag vereinbart. Dadurch haben wir mehr Finanzierungssicherheit und können das auch an potenzielle Verkäufer kommunizieren.

Im zweiten Teil seines Gastbeitrags beschreibt Thomas Kämpf die Vorgehensweise im M&A-Prozess.

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2 Gedanken zu „Mergers & Acquisitions: Wie Fusionen erfolgreich gestaltet werden (Teil 1)

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